Sonntag, 30. Oktober 2016

Einige Fabenln - Schreibversuche

Einige Fabeln aus meinem Erzählband "Kind der Zeit - Gesammelte frühe Prosa".
Es waren die ersten Schreibversuche, die meine verstorbene Schwester Simona gerettet und abgetippt hat.
Sie erscheint deshalb natürlich auf dem Cover.


Der Affe und die rosa Brillen

Der Affe hatte wieder eine Sternstunde  und die rosa Brille für Tiere erfunden. Nun wollte er sie auch an den Mann bringen. Das gelang ihm glänzend. Alle waren scharf darauf, mit der Mode mitzugehen. Dem Bären wollte der Affe auch so ein Ding andrehen. „Dadurch sieht der ganze Wald viel schöner aus“, sagte er. Meister Petz ließ aber nicht mit sich reden. „Was nutzt mir deine Brille, wenn ich durch sie nicht den Jäger sehe, der meinen Pelz will?“ Mit diesen Worten drehte er sich um und trottete davon. Ja, der Bär hat recht. Schönfärberei schadet, wenn man die Realität aus den Augen verliert

Notlüge

Ein kleiner Junge hatte von seiner Mutter gerade eine Tracht Prügel bekommen, weil er gelogen hatte. Einer verlorenen Schippe wegen. Der Vater saß nebenan und sah Fußball. Da klingelte es an der Tür. Der Nachbar wollte das Familienoberhaupt zu einem freiwilligen Arbeitseinsatz holen. Die Mutter meinte, es täte ihr leid, aber ihr Mann wäre nicht da. Der Junge fragte sie, als sie wieder allein waren; „Mutti, der Papa ist doch da, ich denke man muss immer die Wahrheit sagen“. Die Mutter antwortete erstaunt und beschämt zugleich. „Das verstehst du noch nicht, Notlügen sind erlaubt.“
Doch lügt man nicht immer gerade in Notlagen?

Der Rabe und das Eichhörnchen

Der weise Rabe flog über den Wald, um den Tieren bei den Wintervorbereitungen zuzusehen. Alle sammelten fleißig Vorräte, nur ein Eichhörnchen nicht. Es spielte und tollte umher, als stünde nicht der kalte Winter vor der Tür. Vom Raben gefragt, antwortete es: „Man sollte jeden Tag genießen, als ob es der letzte wäre.“ Der Weise schüttelte mit dem Kopf und meinte: „Auf diese Art sind deine Tage wirklich schon gezählt:“ Sprach’ s und flog davon.